StartseiteBEDENKLICHESWas ist wissenschaftlich ?

Wie wird Wissenschaft auch erzeugt? Einfluss der Pharmalobby auf wissenschaftliche Erkenntnisse
Autor und Rechteinhaber: Dr. Karl Braun-von Gladiß D-21407 Deutsch Evern

Die Vertreter offizieller Medizin argumentieren gegen ganzheitsmedizinische Ansätze, die Methoden der Erfahrungsheilkunde seien „wissenschaftlich nicht anerkannt“.
Dieser Aussage hat deshalb eine hohe Relevanz, weil Krankenversicherungen, gesetzliche wie private, sehr häufig die Kostenerstattung für ganzheitsmedizinische Leistungen grundsätzlich ablehnen, und zwar völlig unabhängig davon, dass diese Behandlungsweise oft viel kostengünstiger ist. Das Kriterium für die Ablehnung der Kostenübernahme ist einzig die fehlende wissenschaftliche Anerkennung.

Viele der großen Firmen beschäftigen auf der einen Seite Ghostwriter (worüber nachstehend berichtet wird) und betreiben damit einen Wettbewerb, den man als unlauter bezeichnen muss. Gleichzeitig lassen sie durch den von ihnen unterhaltenen „Verband sozialer Wettbewerb e.V.“ (dem u.a. landesweit tätige Wirtschaftsverbände und Großkonzerne angehören) kleine Firmen verfolgen, die biologische Präparate herstellen und vertreiben. Ein Schelm, wer in diesem Zusammenhang von Mafia spricht.

Aus vielen Publikationen der letzten Zeit ist es ja bekannt: beträchtliche Finanzmittel der pharmazeutischen Industrie fließen über Lobbyisten oder direkt in die Beeinflussung von Behörden, Politikern und Wissenschaftlern. In jüngster Zeit wurde das noch einmal in der Debatte um Gebärmutterhalskrebsimpfung, Schweinegrippeimpfung, Gesundheitsreform etc. akzentuiert deutlich. Zudem ist es längst bekannt, dass der mit Abstand größte Kostenanteil der meisten Medikamente durch Werbung bedingt ist. Wahrscheinlich
sind die Kosten für die Lobbyarbeit darin noch gar nicht enthalten, sondern werden über einen anderen Buchhaltungstitel finanziert.

Jetzt mehren sich Berichte darüber, dass große Arzneimittelhersteller Studien zu neuen Präparaten oft selbst produzieren und dieses Marketing als Wissenschaft verkaufen. „Ghostwriting“ heißt diese schrille Variante des Lobbyismus, die die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Studien um eine Stufe weiter minimiert.

"Ghostwriter"
Lobbyisten der Verbände und großen Firmen bedienen sich einer ebenso effektiven wie raffiniert verdeckten Technik, um Werbung zu plazieren und gesetzlich eigentlich verbotene Heilversprechen über die Medien zu lancieren und auch um das Bewusstsein der niedergelassenen Ärzte damit zu infiltrieren. Die Werbeaussagen werden dabei nicht offen als solche deklariert, sondern in die Form sogenannter wissenschaftlicher Fachartikel verpackt. Sodann werden Lehrstuhlinhaber in Universitäten gesucht, die ihren Namen unter diese ins wissenschaftliche Kleid verpackten Publikationen setzen. „Ghostwriting“ heißt diese offenbar weit verbreitete Werbestrategie.

Beim Ghostwriting in wissenschaftlichen Fachzeitschriften handelt es sich nicht nur um eine gelegentliche Manifestation von Firmeninteressen, sondern um ein systematisches Vorgehen, vielleicht sogar um die Spitze eines Eisbergs.

Das arznei-telegramm ist die bedeutendste auf höchstem wissenschaftlichem Niveau stehende von der Pharmaindustrie unabhängige pharmakologische Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum, die seit 40 Jahren wissenschaftliche Auswertungen von Studien und pharmakologischen Neuentwicklungen publiziert und seither konsequent ohne Werbeanzeigen erscheint, was sie von anderen Fachorganen abgrenzt und ihre Unabhängigkeit unterstreicht. Chefredaktion sowie wissenschaftlicher Beirat setzen sich aus
international renommierten Fachleuten zusammen, die sich ihre Unabhängigkeit von der Pharmakologie bewahrt haben oder die sich diese außerhalb ihrer sonstigen Bindungen
noch leisten können.

Der Herausgeber des arznei-telegramm hat die Ghostwriter-Autoren nicht mit diesem verharmlosenden anglikanischen Begriff, sondern mit dem in der deutschen Sprache treffenderen als „Mietmäuler“ bezeichnet.

In der Dezemberausgabe 2010 berichtete das arznei-telegramm weiter (arznei-telegramm 12/10, 41. Jg., 3.12.2010, S. 123-124 „Ghostwriting: Nützt Firmen und schadet der Therapiesicherheit“): Jetzt wurden „rund 1500 interne Dokumente der Firma Wyeth zugänglich“, wonach „häufig bestellte und finanzierte Artikel“ von Ghostwritern verfasst wurden.
Zum Beispiel ließ die Fa. Wyeth (großer Arzneimittelhersteller; in Deutschland: Pfizer GmbH) im Verlaufe von 6 Jahren (1997-2003) über „eine Firma mit dem programmatischen Namen Design Write“ mehr als 100 „wissenschaftliche Artikel“ u.a. in anerkannten Fachzeitschriften publizieren, die dem Ziel dienten, Hormonersatztherapie im Klimakterium und schon davor einzusetzen. Damit sollte quasi Publikationsmasse die Bedeutung anderer wissenschaftlicher Erkenntnisse verdünnt werden, welche die Zunahme von Krebshäufigkeit bei diesen Frauen belegten.

Dass die Motivation dieser Ghostwriter-Autoren einzig in beträchtlichem finanziellem Vorteil liegen kann, ist zwar nicht bewiesen, liegt aber auf der Hand. Wer sich mit Interessenskonflikten in der Wissenschaft und Politik, mit Vorteilsannahme und Korruption und insbesondere mit den Machenschaften von Lobbyisten befasst, hat daran keinen Zweifel.

Die „Fertigartikel“ verfälschen die Ergebnisse von Untersuchungen bis hin zum konstruierten Beweis des Gegenteils des Studienergebnisses nicht selten gemäß den Interessen der solche Studien und Textkonserven finanzierenden Firmen. Dabei sind insbesondere jene Präparate die bevorzugten Objekte dieser in wissenschaftliche Artikel verkleideten Firmenwerbung, die besonders umsatzträchtig sind, wie zum Beispiel Hormonbehandlungen, das trotz Wirkungseinschränkung hochgelobte und international in Massen deponierte
Tamiflu (das antivirale Mittel bei Vogel-, Schweine- und saisonaler Grippe), aber auch Antiepileptika, Parkinsonmittel, Antirheumatika, neue Krebstherapeutika, Mittel für neurologische
Erkrankungen, Sexualität, Lifestyle und Hautelastizität.

Mit Ghostwriting wird die behördliche Kontrolle von Firmen umgangen. Eine Firma darf ein Präparat zum Beispiel nicht für Krankheiten (Indikationen) bewerben, für die es nicht zugelassen ist. Wenn der Absatzmarkt aber auf solche verbotenen Bereiche ausgedehnt werden soll, stellt der unterzeichnende Autor einer Ghostwriter-„Studie“ die gewünschte Indikation als neues Forschungsergebnis vor und präsentiert das Präparat damit als auch für die bislang nicht zugelassene Indikation wirksam. Damit ist die behördliche Kontrolle
umgangen, eine solche formal wissenschaftliche Aussage ist nicht justiziabel, und der Arzneimittelhersteller etabliert sich damit einen neuen Markt. Über die wissenschaftliche Publikation wird die neue Indikation (die beabsichtigte Markterweiterung) nämlich wissenschaftliches Allgemeingut wird und gilt in der Fachöffentlichkeit allmählich als selbstverständlich.

Auch der „Spiegel“ (www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,690328,00.html) berichtete am 21.4.2010 unter dem Titel „Bezahlte Forschung. Mediziner werfen Pharmafirmen Manipulation von Studien vor“ über die Verfälschung wissenschaftlicher Tatsachen durch Ghostwriter-Strategien der Pharmafirmen. Allzu häufig werden bei medizinischen Studien Fragestellungen im Nachhinein an die gewonnenen Daten angepasst. So lässt sich eine gewünschte Wirkung schließlich doch scheinbar beweisen, auch wenn es sie in Wirklichkeit
gar nicht gibt.

Schon am 11.9.2009 publizierte das Deutsche Ärzteblatt unter dem Titel „Medizin Ghostwriting in führenden Journalen weit verbreitet (© rme/aerzteblatt.de)“: „Viele Beiträge, die sechs führende internationale Medizin-Journale im letzten Jahr publiziert haben, wurden nicht von den Autoren verfasst, sondern von Ghostwritern, die vielfach ihr Honorar von den Firmen erhalten, deren Wirkstoffe in den Studien geprüft wurden. Dies geht aus einer anonymen Umfrage hervor, deren Ergebnisse jetzt auf einem Kongress in Vancouver vorgestellt wurden.“

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in Nr.292 v. 17. Dezember 2010 Seite 16 (Nike Heinen): „Die Tamiflu-Lüge - Weniger Wirkung, mehr Nebenwirkungen: Publizierte Daten zu Grippe-Medikamenten sind massiv geschönt“, dass ein internationales Gutachterteam der Cochrane Collaboration, eines Netzwerks von Wissenschaftlern, das systematische
Übersichtsarbeiten zur Bewertung von medizinischen Therapien erstellt, die Wirksamkeit von Tamiflu im Jahr 2009/2010 einer Neubewertung unterzog und zum Ergebnis kam, Tamiflu sei nicht nur wirkungslos, sondern in etlichen Studien habe der schädliche Effekt sogar überwogen.Dabei hatten Reigierungen längst extrem viel Geld aufgewendet, um riesige Tamiflu-Lagerstätten gegen Vogel-und Schweingrippe anzulegen. Die Eilzulassung und die politischen Entscheidungenevorratung des Präparat zur Bevorratung des
Präparates „basierten auf zehn Studien des Jahres 2003, die alle vomTamifluhersteller selbst durchgeführt worden sind.

Die gemäß der o.g. „Mietmäuler“-Manier erfolgte positive Bewertung der firmeneigenen Datenlage stellt sich heute als Fälschung heraus, wenn man sich das Ergebnis der im Jahr 2009 vom britischen National Institute for Health Research beauftragten und durch die firmenunabhängigen Cochrane-Wissenschaftler vorgenommenen Überprüfung der Ghostwriterstudien betrachtet. Dieses Ghostwriting war „unter Federführung von Laurent Kaiser entstanden, dem Leiter des Zentralen Virologischen Labors am Genfer
Universitätsklinikum“ und die Industrie weigert sich offenbar bis heute, die Daten der so als Manipulation offenkundig gewordenen Pro-Tamiflu-Studie des Jahres 2003 den überprüfenden Wissenschaftlern vollständig zur Verfügung zu stellen. Käme sonst ans Tageslicht, dass Tamiflu nicht nur wirkungslos, sondern sogar schädlich sei?

„Wo (es) auch immer“ um den Wirksamkeitsnachweis und damit um die Berechtigung des Masseneinkaufs von Tamiflu mit Steuergeldern ging, „wurde Kaisers Übersichtsarbeit zitiert und deren Schlüsse offenbar kritiklos übernommen. Als im Zuge der Vogelgrippe die Staaten, die es sich leisten konnten, Hunderte-Millionen-Reserven des Grippemittels anlegten, diente die Arbeit als Referenz dafür, dass man ein wirksames Mittel eingekauft hatte.“ (Quelle der Zitate: SZ v. 17.12.2010)
Zum Begriff „wissenschaftliche Anerkennung“
Mit der Begründung, sie arbeiteten „wissenschaftlich nicht anerkannt“, werden die Leistungserbringer naturheilkundlicher Leistungen von verschiedenen Seiten vielfach undifferenziert der Scharlatanerie geziehen, weil ihre Methoden sich (dem engen und damit die Realität oft verziehenden Korsett) wissenschaftlicher Anerkennung verweigern.

Seit Jahrzehnten muss ich (der Autor) mir dementsprechende Schmähungen aus so genannten wissenschaftlichen Kreisen anhören, sie lesen oder mir berichten lassen, ohne dass die Absender derselben über den jeweiligen Sachverhalt kritisch reflektiert hätten, ja oft die Bezeichnung der Methoden nicht einmal richtig schreiben können. Dergleichen Auseinandersetzungen tragen meistens den Charakter fundamentalistischer Glaubenssätze, bei denen bar jeder Vernunft religiöse Schriften durch undamentalistische Fanatiker gebetsmühlenartig zitiert werden.

Einem Dogma gleich gelten Doppelblindstudien und die Publikation dieser Studien durch anerkannte Wissenschaftler in anerkannten Fachzeitschriften als Kriterien für wissenschaftliche Anerkennung. Nebulös bleibt dabei, wer eigentlich was anzuerkennen habe, wenn man vom Verweis auf Kommissionen absieht, deren Zusammensetzung nicht selten durch Lobbyisten majorisiert wird. Allgemeine Sprachregelung ist, anerkannte Wissenschaftler seien Inhaber universitärer Lehrstühle, die die medizinische Lehre prägen und in wissenschaftlich anerkannten Fachzeitschriften publizierten. Fachzeitschriften könnten dann als wissenschaftlich anerkannte bezeichnet werden, wenn sie über einen durch wissenschaftlich anerkannte Fachleute
besetzten Beirat verfügten, wenn sie über die Annahme eingereichter Publikationen nach wissenschaftlich anerkannten Kriterien entschieden und wenn ihnen in der Fachwelt ein konsensualer Standardstatus zukomme. Als Paradebeispiel für eine solche Zeitschrift gilt unter anderen die Zeitschrift Lancet, der mehr oder weniger eine Spitzenposition in der Reihe wissenschaftlicher Fachzeitschriften zukommt. Welchem Autoren es gelingt, im Lancet eine Arbeit zu publizieren, für den kommt das einem Ritterschlag gleich, mit dem er sich in die wissenschaftliche Gemeinde aufgenommen sieht. Unter dem Strich präsentiert sich um den Begriff der wissenschaftlichen Anerkennung eine Szenerie, die sich selber definiert und die sich aus sich selbst heraus regeneriert.

Die Fachärzte, die in ihrer Praxis konkret über den Einsatz der jeweiligen Medikamente entscheiden, beziehen ihr Wissen und schulen ihr Bewusstsein durch und entlang der Publikationen in diesen wissenschaftlichen Zeitschriften. Je mehr und je wiederholter dort bestimmte Meinungen vertreten werden, desto eher etabliert sich in der Fachwelt ein gemeinsamer Grundkonsens, der als solcher nicht mehr hinterfragt wird, sondern dann oft als „Goldstandard“ der Behandlung einer Krankheit gilt.

*****************************************************************************************


12.01.2011 Spitzenforscherin unter Betrugsverdacht Silvia Bulfone-Paus: Schwere Vorwürfe von Kollegen
Der deutschen Wissenschaft droht einer der größten Betrugsfälle der vergangenen Jahre: Eine renommierte Immunologin musste gleich ein Dutzend Fachpublikationen wegen
Manipulationsverdachts zurückziehen. Es geht um bedeutende Forschungsergebnisse - und die Karriere der Institutsdirektorin.